Die Konzernisierung des Internets

Die Dienste von Facebook (Facebook, WhatsApp und Instagram) sind momentan von Störungen in ihren Serverfarmen für die Auslieferung von Bildern und Dateien betroffen. Spätestens seit dem späten Nachmittag ist der Versand von Dateien über WhatsApp gestört, ebenso funktionieren Facebook und Instagram nur sporadisch oder auch gar nicht.

Vermutlich hat schon jeder festgestellt, wie ihn das persönlich betrifft, weil die Kommunikation mit Kollegen, Bekannten oder auch Freunden und Familie erschwert oder gar unmöglich gemacht wird. Und einige schauen vielleicht zum ersten Mal seit längerem wieder mit offeneren Augen in die Welt, weil ihre Dauerbeschäftigung oder -ablenkung nicht mehr funktioniert wie gewohnt.

Was wir hier gerade erleben sind die Nebenwirkungen der “Konzernisierung des Internets”.

In den letzten Jahren, oder auch dem letzten Jahrzehnt wenn man so will, hat sich das Internet stark gewandelt. Statt wie früher eine bunte Sammlung verschiedenster Webseiten zu sein, konzentrieren sich Inhalte heute auf wenige große Plattformen. Wo einst Max Mustermann einen Blog betrieb, eine Webseite erstellt und mit ihren nützlichen Infos im Internet vergessen hatte oder man sich in Foren zum Austausch traf, haben heute Facebook(-Gruppen), Instagram, twitter, WhatsApp übernommen.

Alles was man sucht an einem Ort. Eigentlich praktisch. Aber mit diesen Plattformen und dieser Zentralisierung kommt eben auch die Abhängigkeit. Wenn der Blog von Max Mustermann nicht erreichbar war, dann war das früher halt so. Wenn heute Facebook, WhatsApp, Instagram offline sind, dann schreiben die großen Zeitungen dieses Landes oder sogar der Welt darüber.

faz.net: Weltweite Ausfälle : Störungen bei Facebook, Instagram und Whatsapp Screenshot: faz.net

Das große Versprechen des Internets, die Möglichkeit, dass jeder sich unabhängig äußern und darstellen und miteinander vernetzen kann, bröckelt immer weiter. Wir werden immer abhängiger von einigen wenigen Unternehmen, die ganz nebenbei auch noch die Regeln unserer Kommunikation bestimmen dürfen, weil sie die Plattform zur Verfügung stellen. So werden wir in Zukunft sicher auch Werbeanzeigen in WhatsApp sehen und der Ausverkauf unserer persönlichen Daten durch die großen Player wird auch weitergehen.

Vielleicht sollten wir in Momenten wie diesen, wenn uns diese Internetriesen mal einen Moment nicht erreichen können, überlegen, ob wir wirklich auf dem richtigen Weg sind. Oder ob wir wieder anfangen sollten eigene Blogs zu betreiben, Internetseiten zu pflegen und ganz klassisch E-Mails an unsere Familie zu schicken. Vielleicht für den Anfang auch nur mal eine dieser Sachen ausprobieren und schauen, ob wir damit nicht genau so gut leben können ohne uns abhängig zu machen von anderen.

So oder so: Ich wünsche noch einen angenehmen Facebook-WhatsApp-Instagram-freien Abend.

Coverbild: Andrew Guan on Unsplash