Warum Threema (oder $Messenger) nicht die Lösung allen Übels ist, aber ein guter Anfang

22. Februar 2014 | Ca. 4 Minuten Lesedauer

Nachdem Facebook Mitte dieser Woche die beliebte Messaging-App „WhatsApp“ gekauft hat, hat ein großer Ansturm auf (vermeintlich) sichere Alternativen begonnen. Einige halten damit jetzt alle Probleme für gelöst, andere beklagen, dass vorschnell und unüberlegt gewechselt wird, ich denke, dass das Ganze vor allem ein Schritt in die Richtung ist. Es wäre natürlich super, wenn wir […]

Nachdem Facebook Mitte dieser Woche die beliebte Messaging-App „WhatsApp“ gekauft hat, hat ein großer Ansturm auf (vermeintlich) sichere Alternativen begonnen. Einige halten damit jetzt alle Probleme für gelöst, andere beklagen, dass vorschnell und unüberlegt gewechselt wird, ich denke, dass das Ganze vor allem ein Schritt in die Richtung ist.

Es wäre natürlich super, wenn wir uns durch den Einsatz von Threema und anderen verschlüsselnden Messenger-Anwendungen keine Sorgen mehr um Datensicherheit machen müssten, aber so einfach ist es halt nicht.

Wer jetzt an die Nachrichten kommen möchte, muss aber bedeutend mehr Aufwand betreiben. Nun reicht es nicht mehr, den Datenverkehr mitzuschneiden oder sich die Server auf denen die Nachrichten gespeichert werden zu krallen. Jetzt müsste man das komplette Telefon hacken. Für entsprechende Stellen (Geheimdienste) ist das natürlich auch kein Problem, da darf man sich nichts vormachen, aber der Anbieter kann nicht mehr mitlesen.

„Was bringt uns dann also überhaupt der Wechsel? Wenn uns diese Verschlüsselung nicht vor den Machenschaften der NSA und Co. schützt, warum der ganze Aufwand? Ich gebe bei Facebook doch sowieso vielleicht eine Menge Daten preis und ob die ernsthaft meine WhatsApp-Nachrichten lesen, bezweifle ich mal.“ So oder so ähnlich denken eine Menge Leute und auch t3n lässt in einem aktuellen Kommentar anklingen, dass man sich ja lieber eigentlich komplett aus sozialen Netzwerken und Co. zurückziehen sollte und nicht „nur“ wegen dem WhatsApp-Kauf.

Der Gedanke und auch die Einstellung des t3n-Autors sind natürlich gerechtfertigt. Wenn ich bei Facebook täglich ein Dutzend Posts schreibe in denen ich erzähle, was ich gerade mit wem wo mache, was ich wo eingekauft habe, wen ich doof finde und so weiter, dann scheint die Verschlüsselung der privaten Kommunikation auch nicht sooooo wichtig zu sein.

Und, das ist auch korrekt, WhatsApp war schon immer „defective by design“, also nie sicher konzipiert. Sonst hätte man von Anfang da eine Verschlüsselung gehabt etc. pp.

Aber die Nutzung alternativer Messenger, sei es nun Threema oder ein anderer, sehe ich vor allem als Zeichen, als eine Abstimmung mit Füßen, in Richtung Facebook/WhatsApp und der Gesellschaft. Mag der Grund auch banal erscheinen, plötzlich und geradezu über Nacht interessieren sich Hunderttausende von Menschen für sichere Kommunikation und nutzen diese gerne, vor allem weil es so einfach ist.

Dieses Interesse muss genutzt werden, um den Leuten beizubringen, wie man auch in anderen Bereichen sicher kommuniziert mit den Mitteln die schon da sind. Und Entwickler sollten daraus lernen, dass Leute bereit sind, einfach mal so die Anwendung zu wechseln und Kryptografie zu nutzen, wenn es denn einfach genug funktioniert.

Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt.

Interessanter Link zum Thema: netzpolitik.org stellt eine Reihe von WhatsApp-Alternativen vor.