Eigener Jitsi-Server

Ein wenig im Sinne von Erich Kästners “Es gibt nichts Gutes, außer man tut es” sehen wir in dieser verrückten und wilden Zeit, wie sich ganz viele Unternehmen transformieren, digitalisieren und selbst neu erfinden. Gut so.

Während man also seit einigen Wochen die unglaublichsten Dinge digitalisiert vorfindet (Bei der Eisdiele per WhatsApp bestellen? Kein Ding!), hinken wir beim Betrieb eigener Infrastruktur immer noch hinterher. Da wird dann größtenteils mit den Schultern gezuckt, auf Zoom, Microsoft Teams, Skype, Google Hangouts oder sonstwas zurückgegriffen und fertig.

Während diese Externalisierung der Infrastruktur natürlich erstmal Zeit und Kosten spart, ist auch sicher, dass man sich abhängig macht und seine geheimsten Daten (wir reden hier immerhin von Geschäftsinformationen jedweder Art) irgendwelchen Services anvertraut, die man eigentlich nicht richtig kennt.

Okay, im besten Fall ist man zahlender Kunde und damit gibt es noch einen Anreiz sich gut um uns zu kümmern, aber bei diversen “Free”-Optionen? Im Internet gilt immer noch die Regel: Wenn du für einen Service nichts bezahlst, dann sind deine Daten die Bezahlung.

Nachdem sich der Staub jetzt also etwas gelegt hat, sollten wir uns umschauen und prüfen, was wir selbst machen können, um unabhängig(er) zu sein. Die Geschäftswelt wird nach dieser ganzen Corona-Sache nicht mehr die Gleiche sein und wir werden vermutlich Homeoffice, Videokonferenzen und kollaborative aber dezentrale Arbeitsweise verstärkt einsetzen. Also schadet es auch nicht, wenn man da selbst ein wenig Technik betreibt.

Als beliebte Alternative zu den kommerziellen Lösungen wird oft “Jitsi Meet” vorgeschlagen. Das ist kostenfrei und wird als Open Source-Lösung entwickelt und man kann es relativ einfach selbst betreiben. Das war Grund genug, das selbst auszuprobieren.

Die Installation ist dank einer guten Anleitung schnell gemacht. Wer regelmäßig Server auf Linux-Basis aufsetzt oder administriert wird sich damit prima zurechtfinden. Ich habe inklusive Konfiguration der Firewall, Domaineinrichtung, SSL-Zertifikat via Let’s Encrypt etc. pp. etwa zwei Stunden für das Setup gebraucht und ich mache sowas nicht regelmäßig.

Etwas schwierig gestaltet sich (noch) das Theming, also die optische Anpassung, der eigenen Jitsi-Instanz. Dafür muss man das Ding aus dem Quellcode selbst kompilieren und das wollte ich eigentlich vermeiden. Es gibt zwei, drei HTML-Dateien die man ändern kann (habe ich auch gemacht), aber die werden bei etwaigen Updates überschrieben und dann ist man auch wieder zurück beim blauen Standard-Look. Wer sich etwas in das System reinfuchst, der hat da bestimmt kein Problem mit, ich bleib beim Patchen der HTML-Dateien.

Lange Rede, kurzer Sinn: Unter https://meetings.lippeinsnetz.de betreibe ich jetzt eine eigene Jitsi Meet-Instanz.

Jeder der sie nutzen möchtem, sei es produktiv oder nur zum Testen, ist herzlich eingeladen das zu tun. Das Ganze ist trackingfrei, speichert nix, sollte keine Verbindungen zu Drittanbietern aufbauen etc. pp. Im Gegenzug läuft das Ganze “nur” auf einem 6 Euro/Monat VPS von Hetzner, ich weiß also nicht, wieviel Last das verträgt. Sollte jemand da was Großes vorhaben, sollte er vielleicht lieber seine eigene Instanz betreiben.

Was braucht man um Jitsi Meet zu nutzen? Einen aktuellen Browser (Firefox oder Chrome), sonst nix. Webcam und Headset sind optional, in den App Stores gibt es auch Apps. Ansonsten verweise ich auf diese gute Anleitung zur Nutzung von Jitsi Meet, da wird auch gezeigt wie man die Apps so konfiguriert, dass man nicht auf dem öffentlichen Standardserver von Jitsi landet, sondern auf dem eigenen Server (oder eben meinem).

Ich freue mich über jegliches Feedback, besonders zur Performance, denn dazu gibt es wenig Handfestes im Netz.