Unscharfe Hintergründe in Fotos dank Photoshop und RAW

20. Oktober 2014 | Ca. 8 Minuten Lesedauer

Einen unscharfen Hintergrund in Fotos zu erzeugen („wenig Tiefenschärfe/Schärfentiefe“) gelingt am einfachsten über ein Objektiv mit großer Blendenöffnung, also kleiner Blendenzahl („lichtstark“). Nun hat nicht jeder das nötige Kleingeld, um sich Objektive mit einer Blendenöffnung von 1,4 oder 1,8 zu kaufen. Dank Photoshop ist das aber auch nicht unbedingt nötig, wenn die Bilder im RAW-Format […]

Einen unscharfen Hintergrund in Fotos zu erzeugen („wenig Tiefenschärfe/Schärfentiefe“) gelingt am einfachsten über ein Objektiv mit großer Blendenöffnung, also kleiner Blendenzahl („lichtstark“). Nun hat nicht jeder das nötige Kleingeld, um sich Objektive mit einer Blendenöffnung von 1,4 oder 1,8 zu kaufen. Dank Photoshop ist das aber auch nicht unbedingt nötig, wenn die Bilder im RAW-Format vorliegen.

Zunutze machen wir uns hierbei eine Funktion des in Photoshop eingebauten RAW-Converters „Camera Raw“. Bekanntermaßen kann man beim Öffnen einer RAW-Datei, bei Nikon im NEF-Format, bei Canon glaube ich im DMG-Format, eine Vielzahl an Einstellungen treffen.

Für den gewünschten Effekt ist der Parameter „Klarheit“ von Interesse. Mit ihm lässt sich eine Kontrasterhöhung oder -absenkung in feinen Details durchführen (Adobe TV: Klarheit vs. Kontrast), letzteres ist für uns von Interesse. Zieht man den Klarheit-Regler in die negativen Werte, „verschwimmt” das ganze Bild und wird unschärfer. Dabei wird auch unser Motiv unscharf, aber das ist zunächst einmal egal.

Ausschnitt aus den Einstellmöglichkeiten von Camera Raw. „Klarheit“ findet sich im unteren Bereich.

Ausschnitt aus den Einstellmöglichkeiten von Camera Raw. „Klarheit“ findet sich im unteren Bereich.

Wenn alle sonstigen Einstellungen wie zum Beispiel Helligkeit, Weißabgleich oder Tiefen und Lichter gemacht wurden, kann das Bild geöffnet werden.

Nach dem Öffnen machen wir erstmal nichts am Bild, sondern öffnen das RAW gleich erneut. In Camera Raw sollten nun die bereits gemachten Einstellungen schon auf das Bild angewendet sein, die werden bekanntermaßen in den kleinen XMP-Dateien gespeichert, die zu jedem RAW dazu gehören.

Nun ändern wir nichts an den Einstellungen mit Ausnahme des Klarheit-Reglers. Diesen setzen wir entweder nur auf 0 zurück oder ziehen ihn sogar in die positiven Werte, um mehr Kontrast für unser Hauptmotiv zu gewinnen. Wenn wir mit den Einstellungen zufrieden sind, öffnen wir das Bild mit den gewählten Einstellungen in Photoshop.

Das Bild ist jetzt zwei Mal mit verschiedenen Entwicklungseinstellungen geöffnet. Eines der Bilder wählen wir jetzt komplett aus, welches ist egal, und kopieren es in das andere Bild hinein. Photoshop erzeugt automatisch eine neue Ebene mit dem Inhalt und legt sie passgenau über das andere Bild (deswegen haben wir noch nichts geändert). Netter Nebeneffekt: Auch farblich haben wir zwei exakt gleiche Bilder, was das Erstellen der Maske (nächster Schritt) etwas einfacher macht.

Der Parameter „Klarheit“ von Camera RAW im Einsatz. Links: Klarheit auf -100, rechts auf 0 eingestellt.

Der Parameter „Klarheit“ von Camera RAW im Einsatz. Links: Klarheit auf -100, rechts auf 0 eingestellt.

Auf die soeben neu erstellte Ebene legen wir nun eine Ebenenmaske, um am Ende das Hauptmotiv scharf und den Rest angenehm unscharf zu haben. Abhängig davon, welche Version des Bildes man kopiert hat (ich kopiere meist das scharfe Bild in das unscharfe hinein), füllt man die Ebenenmaske jetzt einmal vollflächig Schwarz oder Weiß und nimmt dann einen Pinsel in der Komplementärfarbe, um das Motiv herauszuarbeiten.

So bleibt am Ende ein Ausschnitt der scharfen Ebene stehen, während der Rest durch die Maske ausgeblendet ist und hier der unscharfe Hintergrund durchscheint.

Der Einsatz der Ebenenmaske: Die scharfe Ebene (Klarheit: 0) wurde über die andere Ebene gelegt (siehe rechts in der Ebenenpalette) und mit einer Maske aufgestattet. Die Maske wurde zunächst vollflächig schwarz gefüllt, die erwünschten Bildbereiche wurden wieder „durchgemalt“.

Der Einsatz der Ebenenmaske: Die scharfe Ebene (Klarheit: 0) wurde über die andere Ebene gelegt (siehe rechts in der Ebenenpalette) und mit einer Maske aufgestattet.
Die Maske wurde zunächst vollflächig schwarz gefüllt, die erwünschten Bildbereiche wurden wieder „durchgemalt“.

Mit diesen zwei Ebenen kann man dann natürlich beliebig weiterarbeiten. Ich schärfe dann zum Beispiel nur die scharfe Ebene noch nach, damit sie nochmal etwas besser heraussticht, gleiches gilt für „Dodge and Burn“-Bearbeitungen und ähnliches. Der Hintergrund wird praktisch nicht angetastet, da er zurückstehen soll.

Je nach gewünschtem Look des fertigen Bildes muss man etwas mit dem Klarheit-Parameter experimentieren. Ein zu niedriger Wert kann unrealistisch unscharf wirken, mag aber manchmal auch gewollt sein. Tatsächlich habe ich Klarheit bisher immer auf -100 gezogen, wenn ich nicht meine lichtstarken Objektive einsetzen konnte.

Wer Camera Raw nicht nutzen will, kann über den Gaußschen Weichzeichner ähnliche Ergebnisse erzeugen, wobei ich dieses „Klarheit-Verfahren“ optisch interessanter finde. Aber das ist letztlich natürlich absolut Geschmackssache, genau wie das fertige Bild am Ende Geschmackssache ist.

Das Endresultat. Etwas Dodge & Burn, dann ein, bewusst zu starker, Hochpassfilter zur Schärfung.

Das Endresultat.
Etwas Dodge & Burn, dann ein, bewusst zu starker, Hochpassfilter zur Schärfung.

Über den Klarheit-Parameter lassen sich auch weitere interessante Bildeffekte erzielen, dazu später vielleicht einmal mehr. Bis dahin wünsche ich erstmal viel Spaß mit diesem kleinen Trick/dieser Anleitung und freue mich über Kommentare.