300 dpi – Wie kommt es dazu?

12. Juli 2014 | Ca. 9 Minuten Lesedauer

Wenn man was drucken will, dann „muss“ das mit 300 dpi Auflösung vorliegen. Aber wie kommt es eigentlich zu dieser Zahl? Warum nicht 200 dpi oder 400 dpi? Wer hat sich überlegt, dass gerade 300 eine gute Zahl ist? Und steht da irgendwas hinter? Pixel, dpi/lpi/lpcm, cm/inch, Rasterweiten – Ein wenig Vorwissen Bevor wir das […]

Wenn man was drucken will, dann „muss“ das mit 300 dpi Auflösung vorliegen. Aber wie kommt es eigentlich zu dieser Zahl? Warum nicht 200 dpi oder 400 dpi?

Wer hat sich überlegt, dass gerade 300 eine gute Zahl ist? Und steht da irgendwas hinter?

Pixel, dpi/lpi/lpcm, cm/inch, Rasterweiten – Ein wenig Vorwissen

300dpiBevor wir das Geheimnis lüften, ganz kurz was zu den Begrifflichkeiten für alle die nicht so viel mit den Sachen zu tun haben.

„Pixel“ sind eine totale Größe. Diese Angabe beschreibt, aus wie vielen Punkten ein Bild besteht. Das wird zum Beispiel limitiert durch den Kamerasensor oder dadurch, wie groß ich ein Bild in Photoshop etc. angelegt habe.

Zentimeter und Inch sollten bekannt sein, dass sind „weltliche Größen“ bei denen gilt: 1 inch = 2,54 cm. Die Medienindustrie hat mal irgendwann mit inch angefangen, seitdem hängt man da drin und muss nur aufpassen, dass man bei der Umrechnung von mm zu inch und andersrum nichts verbockt.

dpi (dots per inch), lpi (lines per inch) oder lpcm (lines per centimeter) wiederum sind sowas wie Maßstäbe. Sie geben an, wieviele Pixel auf eine weltliche Maßeinheit abgebildet werden. Habe ich ein Bild mit 300 Pixeln Kantenlänge und drucke das mit 300 dpi Auflösung, dann ist es am Ende 1 inch, also 2,54 cm, groß. Die Größen lpi oder lpcm werden dabei meist druckseitig benutzt, weil dieses Linienkonzept (lines per…) besser zum Drucken als zu Bildschirmen passt.

Bei Ausgabegeräten also Bildschirmen jedweder Art wird auch gerne von der Auflösung gesprochen. Allerdings ist FullHD keine Auflösung sondern die Angabe einer pixelbasierten Größe. Das allerdings die „FullHD-Pixelmenge“ auf meinem Bildschirm ziemlich gut aussieht liegt wiederum daran, dass aufgrund der Baugröße des Displays die Auflösung sehr hoch ist. Soweit klar? ;-)

Im Druck gibt es dann schließlich noch den Begriff der „Rasterweite“, auch als „Rasterfrequenz“ bezeichnet. Dieser Wert gibt die Auflösung auf Druckseite an, ist also im Grunde das Gleiche wie die bereits besprochene Auflösung, wird aber anders genannt. Auf das Raster an sich wird hierbei nicht weiter eingegangen, denkt euch einfach eine Kette von Druckpunkten, wenn ihr nicht wisst, wie Rasterung funktioniert.

Vom Auflösungsvermögen des Auges und Betrachtungsabständen

Unsere Augen können bekanntermaßen nur ein begrenztes Maß an Details abbilden. Wollen wir uns etwas genauer anschauen gehen wir näher ran, stehen wir von etwas weiter weg, dann „verschwimmen“ die Übergänge und Details, wir sehen „das große Ganze“.

Das macht man sich überall zu Nutze. Monitore erscheinen dank hoher „Auflösung“ als sehr gut, Bilder wirken scharf, Schrift ist gut lesbar und sieht nicht kantig aus und all sowas.

Das hängt auch mit dem zusammen was man Betrachtungsabstand nennt. Ein Buch lesen wir zum Beispiel mit locker gebeugten Armen, also einer Entfernung von rund einem halben Meter. Vor einem Panoramafoto oder einer Plakatwand stehen wir weiter weg, der Betrachtungsabstand ist also größer.

Dabei gilt dann: Je größer mein Betrachtungsabstand ist, desto geringer kann meine Auflösung sein. Einfach, weil das Auflösungsvermögen meines Auges nicht ausreichend hoch ist, um die „grobe“ Auflösung des Gedruckten noch wahrzunehmen.

Bei dem Buchbeispiel mit dem halben Meter kommen wir auf ein Auflösungsvermögen (Rechnung auf Seite 8) von rund 100 µm, also 0,1 mm. Alles was dichter aneinander ist, können wir nicht mehr voneinander unterscheiden.

Daraus folgern wir: Wenn wir Bücher drucken wollen, dann müssen unsere Linien/Buchstaben/Bildpunkte einen Abstand von 0,1 mm haben, damit wir die als zusammenhängend erkennen. Oder andersrum: Bei 100 Linien pro Zentimeter hab ich ein gutes Druckergebnis.

Nun ist 100 schon eine relativ hohe Zahl, man geht davon aus, dass der Betrachtungsabstand etwas größer als einen halben Meter ist, damit kommt man klassischerweise auf Werte von 60 bis 80 Linien pro Zentimeter.

Rasterweiten – Da sind sie!

Wer 60 bis 80 gelesen hat und aus der Druckbranche kommt, der dürfte schon hellhörig geworden sein. Das „60er Raster“ ist ein Standardmaß für Drucke im Offset-Verfahren. Dabei nimmt man eine (Druck)Auflösung von 60 Linien pro Zentimeter und erreicht damit die „Überlistung“ des Auflösungsvermögens.

Während das 60er Raster immer noch eine beliebte Größe ist, sind heutzutage auch größere, also feinere, Raster im Einsatz. 70er Raster sind sicherlich schon weit verbreitet, aber auch 80er Raster werden genutzt. Nutzt man hybride Raster, dann kann die Auflösung teilweise sogar noch höher liegen, aber das zählt als Sonderfall.

Nehmen wir also die Werte 60, 70 und 80 lpcm als gängige Rasterweiten. Um auf 300 dpi zu kommen, rechnen wir sie um. 60 * 2,54 ist 152,4 lpi bei 70 sind es 177,8 lpi und bei 80 sind es schließlich 203,2 lpi.

Da nähern sich die Werte jetzt schon langsam Richtung 300 an, aber so wirklich da sind wir noch nicht.

Qualität ist alles! – der Qualitätsfaktor

Was noch in die Berechnung der Auflösung einfließt ist der so genannte „Qualitätsfaktor“, in Rechnungen gerne mit QF abgekürzt.

Woher der Qualitätsfaktor so ganz genau kommt, kann ich ehrlich gesagt nicht sagen. Je nachdem wo man liest und was man so gelernt hat, soll er zum Beispiel dazu dienen, das Druckraster auszugleichen (das ist beim Scannen der Fall) oder Ungenauigkeiten, die aus ungünstig nebeneinander liegenden Pixeln resultieren, zu interpolieren.

Egal was man nun glaubt bzw. gelernt hat, wozu genau der da ist, man nimmt ihn mit Werten zwischen 1,5 und 2 in seine Gleichung hinein.

Tun wir das für die bekannten Rasterweiten, dann kommen wir auf rund 300, 350 und 400 dpi.

Am Ende ist „300 dpi“ also nur eine geschickte Kombination aus der Ausnutzung von Unzulänglichkeiten unseres Auges, eines Qualitätsfaktors und einer simplen Umrechnung. Nichts Schlimmes also, aber durchaus mit Hintergrund.

Zusammenfassung (für Eilige)

• 300 dpi resultieren aus der „Standard-Druckauflösung“ von 60 Linien pro Zentimeter bei der das menschliche Auge keine einzelnen Linien mehr wahrnehmen kann.
• Ein Qualitätsfaktor (QF) von 1,5 bis 2 sorgt für bessere Ergebnisse und ergibt folgende Formel:
• Rasterweite [lpcm] * 2,54 * QF = Auflösung [dpi]
• Wenn jemand also mit einem feineren Raster drucken will, ist eine Anpassung der Auflösung sinnvoll.