Was war, was kommt - Jahresrück- und -ausblick 22/23

Das neue Jahr ist zwar schon knapp zwei Wochen alt, aber ich denke das ist noch nicht viel zu spät für einen Jahresrück- beziehungsweise -ausblick. Also leg ich gleich mal los und geh über ein paar Themen, die mir im Kopf hängen.

Social Media

Sowohl für Facebook als auch für twitter sieht es irgendwie nicht so gut aus. Ich hab ja beiden Netzwerken den Rücken gekehrt und bin aktuell nur noch bei Instagram unterwegs. Das geht mir zwar auch von Zeit zu Zeit auf den Keks und frisst meine Aufmerksamkeit, ist aber irgendwie kein Vergleich zu den beiden anderen Dingen.

Wobei ich da vermutlich nicht ganz fair bin, dann eigentlich ist nicht Facebook selbst das Problem, sondern diese Versuche mit aller Gewalt irgendwie “das Metaverse” ans Laufen zu bringen. Da ist jetzt schon unfassbar viel Geld vernichtet worden und das Ergebnis sieht aus wie ein schlechtes Wii-Spiel von vor 10 Jahren.

Immer öfter seh ich dafür jetzt z.B. auch auf LinkedIn Werbung mit dem Versprechen nur übers Metaverse irgendwas machen zu können, was bisher keiner kann. Ich weiß nicht, ich hab da eher verhaltene Erwartungen. Ich glaube sehr daran, dass VR (Virtual Reality) und AR (Augmented Reality) noch eine große Rolle für uns spielen werden, aber ob Facebook/Meta da uunbedingt Teil davon sein muss, mag ich bezweifeln.

Über twitter muss man jetzt eigentlich gar nicht so viel sagen irgendwie. Mit dem Kauf durch Elon Musk scheint da nichts besser geworden zu sein und wer nur ein wenig die Nachrichtenlage verfolgt hat, der dürfte aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus gekommen sein.

Auch hier weiß ich nicht genau, was die Zukunft bringen soll. twitter war schon immer eine in sich geschlossene Welt: Entweder man war dabei oder eben nicht. Und je nachdem auf welcher Seite man stand, hat man einen persönlichen Nutzen darin gesehen oder eben nicht.

Ich glaube das wird durch den Kauf durch Musk nicht besser werden, ganz im Gegenteil. Durch seine Persönlichkeit wird er noch mehr polarisieren, und “Musk-Fans” sind eher anstrengend würde ich sagen, und damit die Fronten noch weiter verhärten. Die Völkerwanderung zu Mastodon (von Trumps sozialem Netz reden wir lieber nicht) ist für den technisch-affinen Teil der twitter-Nutzer sicher gut möglich, aber nicht für alle.

Und mit einem Wechsel des Netzwerks geht natürlich auch ein Reichweitenverlust einher, der für manchen der twitter “professionell” nutzt, sicher nicht gewollt ist. Dieser Teil der Nutzer wird sich also gut überlegen, was er macht.

Es bleibt spannend, aber ich glaube beide Netzwerke/Plattformen haben ihren Zenit hinter sich.

Instagram und TikTok sehen für mich noch sehr stark aus, wobei Instagram auch eher auf dem absteigenden Ast ist, TikTok wird bzw. hat aber auch schon mit den Problemen zu kämpfen, die wir von Social Networks kennen: “low effort”-/Clickbait-Content um Views zu farmen, aber ohne echten Mehrwert. Die Zweit- oder Drittverwertung guter TikToks findet dann zwei bis vier Wochen später auf Instagram statt…

Vielleicht ist das aber auch der normale Lebenszyklus sozialer Netzwerke und nichts worüber man sich große Sorge machen sollte.

Crypto, Blockchain, NFTs und Co.

Die ganze Blase rund um Blockchain-Technologien, seien es nun Crypto-Währungen, NFTs oder sonstige Experimente, hat auch im vergangenen Jahr nichts außer ausgefeilten Betrugsschemata hervorgebracht. Sinvolle Anwendungen, die nicht durch andere Technologien einfacher, schneller oder günstiger umzusetzen sind, sind auch weiterhin nicht in Sicht.

NFTs hatten einen großen aber sehr kurzen Erfolg, und mittlerweile spricht da auch keiner mehr drüber. Geradezu ewig her fühlt es sich an, als manch einer noch stolz berichtete, er sei für einen absurden Geldbetrag nun “Besitzer” einer Bilddatei auf einem Server außerhalb seiner Kontrolle geworden. Vermutlich nie wurde der Begriff des “Besitzes” so frei ausgelegt, wie beim Erwerb eines NFT und allem was dazugehörte.

Wer sein Geld und/oder seine Hoffnung auf Crypto-Währungen setzte, wurde auch mal wieder enttäuscht. Ja, wer Mitte 2009 mal aus Spaß 100 Bitcoin gemined hat und die später verkauft hat, der hat ein sattes Plus gemacht und dem sei gratuliert. Aber vieles was danach kam, ist einfach nur der Versuch dem Nächsten nach sich das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Eines der Beispiele das gerade schön zu beachten ist, ist das Debakel rund um FTX, Alameda Research und wer noch so alles drin und dran hängt. Wieviele Milliarden an Kundeneinlagen dort jetzt irgendwie “verschwunden” und mutmaßlich unwiderbringlich verloren sind, kann keiner so genau sagen. Anscheinend sind Anwälte und Insolvenzverwalter immer noch damit beschäftigt, das Chaos aufzuklären das dort herrscht.

Was bei den ganzen Blockchain-Technologien immer wieder vergessen wird, ist das auch hier das Prinzip “shit in, shit out” gilt. Eine mit Fehlinformationen gefütterte Blockchain enthält also diese Fehlinformationen und sonst nichts.

Und auch Smart Contracts und sonstige Technologien, die entwickelt wurden um der Gegenseite nicht zwangsweise vertrauen zu müssen, sind anscheinend vor allem so komplex, dass keiner sie versteht und dadurch dann Leute betrogen werden.

Ich werde auch in 2023 einen großen Bogen um alles machen, was mit Blockchain zusammen hängt und fühle mich damit erstmal gut beraten.

Machine Learning, künstliche Intelligenz, GPT-3, DALL-E 2, ChatGPT

Wirklich eindrucksvolle Ergebnisse konnten wir im Bereich des Machine Learning sehen. Ich hab letztes Jahr vor allem mit GPT-3 rumgespielt um Zusammenfassungen von Artikeln erstellen zu lassen, aber was DALL-E 2 oder auch ChatGPT leisten, ist sehr sehr eindrucksvoll.

Die Frage ist, wo uns das hinbringen wird. Auch bei Machine Learning gilt der gerade schon erwähnte Ansatz des “shit in, shit out”, so dass die Trainingsdaten dieser Modelle zukünftig immer größeren Stellenwert einnehmen werden.

Wo kommen diese Trainingsdaten her? Nun, wie die letzten Tage zeigten, nimmt Adobe für das Training seiner Photoshop/Lightroom-KI zum Beispiel alle Bilder her, die man in die Creative Cloud hochgeladen hat. Diese (späte) Erkenntnis sorgte zu einem kleinen Aufschrei im Netz.

Ähnliche Diskussionen gab es aber auch schon bei Microsofts “Copilot” in Github, der von hochgeladenem Quellcode auf Github “gefüttert” wird und diesen reproduzieren und anpassen kann. Dabei wurde wohl auch solcher Code zum Training verwendet, der eigentlich privat sein sollte.

Die kommenden Jahre werden uns hier noch vor große Herausforderungen stellen: KIs/ML-Modelle werden immer besser werden, so dass die Unterscheidung zwischen “menschengenerierten” und KI-generierten Inhalten immer schwieriger wird. Das wiederum könnte zu “besseren” Fake-News, Spam etc. führen, die immer schwieriger als eben solcher, sowohl von Menschen, Suchmaschinen oder KIs im Trainingsmodus, erkannt werden können.

Privates

Genug vom reinen Tech-Kram, Zeit für mehr Persönliches.

Ich bin mittlerweile Prüfer bei der IHK für Mediengestalter. Das ist eine gute Sache. Mit der IHK, dem dualen Ausbildungssystem und Prüfern fing meine “Karriere” in dieser Branche an. Jetzt selbst ehrenamtlich als Prüfer tätig zu sein, ist also eine gute Gelegenheit etwas zurückzugeben. Ich hoffe ich kann das viele Jahre machen und junge Menschen auf ihrem Weg begleiten.

Ich hab außerdem wieder etwas “Liebe” am 3D-Druck gefunden. Ich hatte meinen Prusa i3-Klon repariert, war mit dme Ergebnis aber nicht recht glücklich. Jetzt hab ich einen kleinen Flashforge-Drucker gekauft und bin sehr glücklich damit. Dank dieses “funktioniert einfach”-Druckers hab ich Zeit, mich mit den Bauteilen und dem was machbar ist auseinander zu setzen und muss nicht ständig nur Hardware fixen.

3D-Druck erlebt gerade im privaten Bereich eine spannende Zeit. Nachdem jetzt jahrelang Prusa i3-Varianten mit Marlin als Firmware sehr erfolgreich waren, gibt es mit Maschinen wie den Voron-Modellen oder den Geräten von BambuLab und Firmware wie Klipper ganz neue Ansätze. Dadurch sind hohe Geschwindigkeiten umsetzbar, neue Druckmaterialien erweitern ebenfalls die Möglichkeiten. 3D-Druck bleibt vermutlich trotzdem weiterhin eher eine Nische, aber sie wird deutlich interessanter.

Etwas, das man online eher wenig sieht, ist der Versuch mein Leben minimalistischer zu gestalten. Ich hab im vergangenen Jahr wieder viel aufgeräumt, bei ebay Kleinanzeigen verkauft oder manchmal auch einfach weggeworfen. Wo möglich, kaufe ich mittlerweile lieber einmal etwas Gutes und versuche dafür dann zwei halbgare Sachen wegzugeben.

Ein kleines Beispiel dafür wäre, dass ich im letzten Jahr ein Multimeter von Fluke für meine Elektro-Basteleien gekauft habe. Diese Geräte sind nicht günstig, aber nachdem ich in 5 Jahren zwei andere Multimeter kaputt bekommen habe (ich weiß nichtmal genau wie), baue ich auf die Empfehlung eines Freundes, dessen Fluke auf der Arbeit jetzt bald 20 Jahre auf dem Buckel hat und immer noch funktioniert.

Mir ist bewusst, dass es durchaus sehr privilegiert sein kann, etwas Gutes zu kaufen, aber ich glaube auf Dauer ist es das wert und jeder sollte versuchen das zu machen wo er kann oder es ihm wichtig ist.

Technologisch bin ich auch nach wie vor eher minimalistisch unterwegs. Mein Thinkpad T460 leistet noch gute Dienste für das was ich so mache, für Spiele hab ich mir jetzt mal Geforce Now geholt um das zu testen. Softwareseitig bin ich wieder auf Windows umgestiegen, nutze das Windows Subsystem für Linux aber relativ häufig.

Meine Entwicklungsarbeiten halte ich nach wie vor auch einfach: PHP/MySQL, HTML, CSS und eine Hand voll JavaScript wo nötig oder sinnvoll. Durch die Arbeit habe ich mittlerweile mehr Kontakt mit NodeJS und Typescript, beides findet mehr und mehr Einzug in meinen Alltag. Gerade auf der Arbeit hab ich damit schon ein paar Scripte schreiben können, die uns EXTREM Zeit gespart haben, weil wir damit Konvertierungen von z.B. Preislisten und ähnlichem in Sekunden statt in Stunden erledigt haben. Automatisierung rockt.

Die thinkpad-gebrauchtpreisliste und twittrshot habe ich eingestellt, das kam beides nicht so gut an wie erwartet und war auch teilweise eher schwierig zu warten und zu aktualisieren. Mit dem Launch meines Event-Aggregators freiburg.events bin ich soweit sehr zufrieden. Den will ich dieses Jahr noch deutlich ausbauen, besonders was die Anzahl der aggregierten Quellen angeht, aber auch sonst gibt es noch ein paar spannende Baustellen zu lösen. Schon jetzt ist das aber glaub ich eine ganz gute Sache, die nur noch etwas bekannter werden muss.

Und zum Schluss: Wie immer will ich mehr bloggen, aber der Alltag holt mich ein. Ich hab aber jetzt schon angefangen ein paar Themen zu sammeln, vielleicht macht es das einfacher, öfters was zu veröffentlichen. Die Abrechnung findet dann in einem Jahr statt.

Und jetzt: Alles Gute für 2023!

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Über den Autor

Ich bin gelernter Mediengestalter, studierter Druck- und Medientechniker und leidenschaftlicher Tüftler und Bastler.

Beruflich beschäftige ich mich mit der digitalen Transformation von Unternehmen, sowie der Automatisierung von Unternehmensprozessen, in der Druck- und Medienbranche. Mehr dazu findet sich im Lebenslauf.

Privat interessieren mich Kaffee(maschinen), Themen rund um Webentwicklung, das Internet im Allgemeinen und Speziellen und vieles, vieles mehr.

Ich freue mich auf Feedback per E-Mail unter kontakt@flomei.de, einen Euro für die Kaffeekasse oder etwas von meiner Amazon Wunschliste.