Unpleasant Design – Unangenehmes Design

Kürzlich bin ich über ein faszinierendes Thema gestolpert, das mich einige Zeit beschäftigt hat. Mit dem Begriff „Unpleasant Design“ bezeichnet man die Gestaltung von Dingen, die unangenehm sein sollen. Das klingt erstmal etwas widersprüchlich, und das ist es aus moralischer Sicht irgendwie auch die ganze Zeit, aber lohnt einen genaueren Blick.

By The wub - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=44690318
By The wubOwn work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=44690318
Unpleasant Design – Unangenehmes Design bezeichnet Gegenstände, die so gestaltet worden sind, dass sie unangenehm aber nicht zwangsläufig „hässlich“ sind. Ein gutes Beispiel ist bereits das Bild dieses Artikels. Es zeigt eine Bank die im Londoner Stadtteil Camden steht und als Meisterstück für Unpleasant Design gesehen wird.

Gestaltet wurde sie mit dem Fokus nur für das gut zu sein, wofür sie da ist, also um darauf zu sitzen und alles andere davon fernzuhalten. Also Obdachlose die darauf schlafen, Skater, die daran grinden könnten und Graffity-Sprayer. All das soll durch das besondere Design dieser Bank, hauptsächlich die vielen Ecken und unterbrochenen Schrägen, erreicht werden. Die Sprayer hält man sich mit einer besonderen Beschichtung vom Leibe. Und trotz all dieser abwehrenden Eigenschaften empfinden wir die Bank nicht als unangenehm. Es ist natürlich „nur“ eine Bank, aber sie wirkt nicht wie ein Fremdkörper, etwas das total fehl am Platze ist oder offensichtlich „menschenfeindlich“ ist.

Ich finde es ist ein spannender Teilbereich der Gestaltung, Dinge zu produzieren, die Menschen von Plätzen oder Handlungen abhalten sollen, ohne das offensichtlich zu zeigen. Und dabei ist man nicht nur auf Ecken und Kanten beschränkt, so wie bei der gezeigten Bank, sondern kann auf Licht und dessen Farbe, verwendete Materialien und vieles, vieles mehr zurückgreifen. Das schafft eine Menge spannender Möglichkeiten für ansprechende und gleichzeitig „funktionale“ Gestaltung.

Bei all dieser Begeisterung über den gestalterischen, schöpferischen Aspekt des Unpleasant Design sollte man allerdings nicht vergessen, dass es nichts an den Ursachen ändert. Klar kann ich Bänke bauen, die Obdachlose unbequem finden, aber das ändert nichts an der Situation, dass es Obdachlose gibt, die keinen besseren Platz zum Schlafen finden. Insofern ist Unpleasant Design auch gefährlich, denn es löst keine Problem sondern versteckt nur die Folgen.

Wer mehr darüber lesen möchte, könnte bei unpleasant.pravi.me starten und sich mithilfe von Google durchs Netz arbeiten, da gibt es einiges an Perlen zu diesem Thema.


Was haltet ihr von Unpleasant Design? Sinnvoll im öffentlichen Raum oder nur Placebo, um die eigentlichen Probleme zu verstecken? Schreibt einen Kommentar oder eine E-Mail und sagt was dazu.

Florian Meier

Florian Meier

Florian Meier ist ausgebildeter Mediengestalter und hat sich selbst digitale Fotografie und Webentwicklung beigebracht. Er hat Druck- und Medientechnik studiert und ist wohl das, was man Digital Native nennt. Sein Geld verdient er mit Medien, aktuell als E-Business Print Manager bei der Longo Deutschland GmbH in Augsburg. In diesem Blog schreibt er über private Basteleien und Meinungen.

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