Warum es manchmal etwas mehr (und damit auch etwas teurer) sein muss

Ich bin vorhin über ein sehr schönes Beispiel dafür gestolpert, dass man ab und zu etwas Geld investieren muss, um richtig gute Werbung zu bekommen. Als Medienschaffender fällt es einem ja oft relativ schwer zu erklären, wieso man jetzt nicht das Billigste vom Billigen nehmen sollte, um etwas Schönes zu schaffen.

Zunächst einmal will ich euch das Video vom fertigen Produkt nicht vorenthalten.

Wer es nicht erkannt hat: Hier wird für Katzenstreu geworben. Und damit die Werbung auch wirklich Aufmerksamkeit erregt und ankommt, hat man das Papier mit Katzenminzenkonzentrat behandelt. Das macht die Katzen natürlich verrückt, und sie beschäftigen sich, wie im Video zu sehen, intensivst mit dieser Sendung.

Die ganze Aktion war garantiert nicht ganz günstig, hat sich aber voll ausgezahlt.

Zum einen natürlich für das werbende Unternehmen, denn viele Kunden werden sich, dank ihrer Katzen, überhaupt erst mit der Werbung auseinander gesetzt und dann Katzenstreu dort gekauft haben. Das möchte ich hier mal als „direkte Gewinne“ bezeichnen.

Zum anderen wird dieses Video vermutlich weite Kreise ziehen und damit noch mehr Leute auf das werbende Unternehmen aufmerksam machen. „Indirekte Gewinne“ könnte man sagen.

Jetzt wird natürlich nicht jeder, der einen Flyer braucht, diesen mit Katzenminzenkonzentrat lackieren können oder wollen. Ist auch gar nicht nötig.

Manchmal reicht einfach schon ein wenig dickeres Papier oder ein leichter Karton, um einem Flyer das gewisse Etwas zu verleihen. Wenn sich der beim ersten in die Hand nehmen nicht anfühlt wie der Flyer vom Dönermann nebenan (nichts gegen Dönerbuden und deren Besitzer), dann hat man schon das erste Ziel erreicht.

Die Leute gucken sich den genauer an, weil er sich eben anders anfühlt. Daraus entsteht vielleicht genug Interesse und die besagten „direkten Gewinne“. Und dann erzählen die Leute ihren Nachbarn, der Familie, wem auch immer davon. Und wir haben wieder die indirekten Gewinne.

Und bei dickerem Papier (kostet übrigens oft wirklich nur einen Bruchteil mehr als dünnes Papier) muss es lange nicht enden.

Nehmen wir Flyeralarm mal als Beispiel. Da kann man Flyer auch partiell lackieren lassen. Oder mit Heißfolie in Gold, Silber oder Rot prägen lassen.

Amazon nutzt bei seinen Verpackungen für den Kindle zum Beispiel eine Veredelung und das sieht nunmal wirklich sehr gut aus.
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Wer das hier als potentieller Kunde liest, wird jetzt schon Angst vor dem Preis bekommen. Dafür gibt es keinen Grund. 2.500 Stück (Flyer) in DIN A6 auf mattem 300 g/m² Papier kosten rund 85 Euro im Druck.

Klar, das geht billiger: 35 Euro, wenn ich das auf dem günstigen Allerweltspapier mit 135 g/m² drucke, Veredelungsmöglichkeiten weglasse und in Kauf nehme, dass sich mein schöner Flyer anfühlt wie jeder andere Mist, der mit der Tagespost ins Haus trudelt. Aber will ich das?

Mit allem gibt man sich Mühe, denkt sich gute Texte für den Flyer aus, macht gute Preise, holt sich einen der das ordentlich gestaltet, damit es die Leute richtig anspricht… und dann spart man 50 Euro beim Papier und der weiteren Prozesskette und den unglaublichen Möglichkeiten, weil man denkt, das täte nicht Not?

Was einem durch schlechte Werbung an Umsatz oder Gewinn verloren geht, kann man leider nicht messen. Aber wenn man überlegt, was man sonst so ausgibt, dann sollte man da lieber nicht sparen.

Also liebe Kunden in spe, Interessierte an Druckprodukten und natürlich liebe Mitmedienschaffenden: Seid mutig, gönnt euch mal eine ordentliche Veredelung, probiert aus etwas Schönes zu schaffen, etwas über das die Leute reden, was hängen bleibt, was für die Sinne…

Genug des Plädoyers für schöne Druckprodukte, hier lesen ja auch eine Menge Gestalter mit. Lasst doch mal ein paar Beispiele für gut eingesetzte Veredelungen in den Kommentaren zurück. Was habt ihr schon Schönes mit Veredelung produziert oder was würdet ihr mal gerne machen? Ich freu mich auf eure Meinungen…

Florian Meier

Florian Meier

Florian Meier ist ausgebildeter Mediengestalter und hat sich selbst digitale Fotografie und Webentwicklung beigebracht. Er hat Druck- und Medientechnik studiert und ist wohl das, was man Digital Native nennt. Sein Geld verdient er mit Medien, aktuell als E-Business Print Manager bei der Longo Deutschland GmbH in Augsburg.

2 Gedanken zu „Warum es manchmal etwas mehr (und damit auch etwas teurer) sein muss“

  1. Ohne jetzt zu viel zu verraten: Wir haben einen Kunden, der seine Visitenkarte auf papier mit Leinenstruktur drucken lässt, und das Logo ist blindgeprägt. Das geht trotz geringer Auflagen wegen des Papiers zwar nur im Offsetdruck (gleichwohl Digitaldruck günstiger wäre), macht aber doch ordentlich was her.

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