Jetzt geht´s wirklich abwärts – und zwar steil
Woah, es geht endgültig abwärts mit Deutschland.
Wurde man bisher noch für verrückt oder paranoid gehalten und als Verschwörungstheoretiker abgestempelt wenn man von einer Zensur des deutschen Internets sprach, so sollten die Zweifler mittlerweile verstummen. Nun gut, die meisten Zweifler werden das Problem wieder nicht sehen, selbst wenn sie davor stehen würden.
Also, unter dem Deckmantel der Kinderpornografie-Bekämpfung haben sich die Paradiesvögel in Berlin überlegt man müsse den Internetverkehr kontrollieren, bzw. den Aufruf spezifischer Internetseiten unterbinden können. Dazu sind in einem ersten Entwurf DNS-Sperren geplant gewesen (siehe auch hier). Dass entsprechende Maßnahmen technisch nahezu unwirksam und leicht zu umgehen sind sah man zumindest teilweise ein. Es soll(te) also so ablaufen, dass das BKA eine Liste mit Adressen pflegt die kinderpornografisches Material enthalten und Provider den Zugriff auf diese Server sperren sollten. Bekanntermaßen ist das mit diesen Listen so eine Sache, auf anderen Filterlisten (ich traue mich aus gutem Grund nicht darauf zu verlinken, sonst gibt´s hier auch ne Hausdurchsuchung wg. Förderung der Verbreitung von kinderpornografischem Material – sucht danach wenn ihr das nicht glaubt) fanden sich ja auch Domains die rein gar nichts mit entsprechenden Inhalten zu tun haben… So weit war das geplant. Der Zugriff auf außereuropäische Internetseiten mit kinderpornografischem Material sollte also unterbunden werden. Dazu sollte nur eine „Stopp-Seite“ mit einem Hinweis auf das Vorhandensein von rechtswidrigem Material auftauchen, sonst nichts weiter.
Dazu passend ein Kommentar aus dem heise-Forum der sehr schön bildlich beschreibt was man da plant:
Ich: “Wenn du ein hässliches Bild in deiner Wohnung hast, was machst du dann?“
Bekannter: “Ich schmeiss es weg!“
Ich: “Warum hängst du nicht ein Tuch darüber?“
Bekannter: “Öhhhh….aber dann ist das Bild ja immer noch da!“Und schon machte es “Klick“!
Bekannter: “Hmmmm….man hat das Symptom “bekämpft“, aber die Ursache ist immer noch da! Ihr wollt also die Ursache bekämpfen?“
Ich: “Richtig! Die Server müssen abgeschaltet werden, die Hintermänner ermittelt und eingebuchtet werden! Das wollen wir!“
Bekannter: “Ach sooooooo! Okay, das ist gut! Ja, das ist sehr gut! Ich habe es jetzt verstanden!“
Trifft es ziemlich gut. Nicht die Ursachen bzw. Verursacher bekämpfen sondern einfach mal was drüber decken und hoffen, dass keiner mehr dran denkt. Zum Glück bin ich nicht der Einzige der bei solchem Verhalten an die Zensur des Internets in China denkt (Was für ein Massaker? Hier gab´s kein Massaker…).
Außen vor bleiben sollen übrigens öffentliche Einrichtungen, da treiben sich solche Leute anscheinend nicht rum (auch in diesem Artikel), wahrscheinlich liegt es aber mal wieder an den Kosten.
Naja, fast täglich kommen jetzt also „lustige“ (nein, eigentlich nicht) Meldungen zu den Kinderporno-Sperren raus. Mittlerweile sollen IP-Adressen dann doch geloggt werden und sie sollen auch zur Verfolgung an die Polizei weitergeleitet werden. Damit ist also JEDER der eine IP-Adresse aufruft die vom BKA als „verboten“ eingestuft wurde (Hatte ich erwähnt, dass keiner kontrolliert was auf diese Listen kommt und was nicht? Nein, oh macht nix, man kann sich ja eh nicht dagegen wehren…) automatisch verdächtigt, auf der Suche nach kinderpornografischem Material zu sein. Man bedenkt dabei wohl nicht, dass mehrere Domains durchaus auf eine IP-Adresse verweisen können. Wenn also auf dem Server auf dem auch flomei.de liegt irgendwo entsprechendes Material liegt und das BKA haut die IP-Adresse in die DNS-Sperrliste, dann seid ihr also am Arsch wenn ihr flomei.de aufrufen wollt. Ihr bösen Raubmordkopierkinderschänder…
Naja, mittlerweile ist man soweit, dass man die Technik (Funktionsfähigkeit außen vor gelassen) ja auch eigentlich nutzen könnte um Glücksspielangebote auszusperren (Klick!).
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
Erst geht es darum den Zugriff auf Kinderpornografie zu erschweren bzw. zu unterbinden (klappt ja schonmal nicht so einfach wenn man nachdenken würde).
Dann geht es darum Verbindungsdaten über entsprechende Seiten zu sammeln (Honeypot-Prinzip) und sie an die Strafverfolgungsbehörden weiterzugeben.
Jetzt sind wir schon so weit, dass einige Leute überlegen ob man damit nicht auch ausländische Glücksspielangebote aussperren könnte…
Grob gesagt ist das in zwei Wochen passiert, wie weit ist das Ganze dann erst in einem Jahr?
Vor allem wird das Missbrauchspotenzial gigantisch. Ich kann mir schon Schadsoftware vorstellen, die unbemerkt eine Verbindung zu einer entsprechenden IP aufbaut. Boah, was wird das geil wenn der erste Wurm da lockere 2-10 Millionen Tatverdächtige erzeugt. Dann bin ich mal gespannt was die machen wollen…
Interessant ist auch ein Dokument das ich auf Wikileaks (verlinkt man besser nicht drauf – die verbreiten die geheimen Sperrlisten, so dass rauskommt, dass da alle möglichen unschuldigen Seiten draufstehen) gelesen habe. Es geht um Pressematerial des Bundesministeriums für Familie, Senioren etc. pp.
Die haben sich überlegt, dass man durch entsprechende DNS-Sperren etwa – Achtung, festhalten – 450.000 (!!!) Aufrufe auf entsprechende Seiten täglich (!!!) blockieren könnte. Auf die deutsche Gesamtbevölkerung von knapp 81 Millionen Bundesbürgern umgerechnet bedeutet das, dass etwa jeder 200. Bürger (schau dich um, auch dein Nachbar könnte einer von den bösen Männern sein) täglich ganz gezielt entsprechende Seiten aufruft.
Wo deren Zahlen herkommen? Wer weiss das schon… In der Presseerklärung ist auch von 111% Zuwachs im Bereich entsprechender Straftaten die Rede (hier – ganz unten) ohne aber eine Referenzzahl anzugeben.
Geile Sache! Statistiken frisieren leicht gemacht, oder was ist das?
Ich habe im Jahr 2007 insgesamt 20 Besucher auf meiner Seite gehabt, im Jahr 2008 waren es ganze 100.
Pressemitteilung: „Die Besucherzahlen haben sich verfünffacht!!!!!!!!!!!!11111111einseinself“
Eigentlich kann man das alles nicht ernst nehmen, zumindest nicht wenn man die technischen Hintergründe kennt. Aber wenn man sieht was für Vollidioten in diesem Land das Sagen haben, dann muss man es leider ernst nehmen und mit dem Schlimmsten rechnen.
Es geht abwärts – sehr steil.
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